FRÜHLING IN NEAPEL
Dokumentarfilm, Ö, 2020, 90min, Farbe, Stereo, OmdeU
Regie: Walter Größbauer
Am Stadtstrand „Santa Lucia“, im Zentrum von Neapel, hat die Badesaison begonnen. Hierher kommen Menschen aus den umliegenden Vierteln, um ein erfrischendes Bad zu nehmen oder sich zu sonnen. Es wird geplaudert, gefischt, gesungen und geküsst, und so mancher verdient seinen Lebensunterhalt mit diesem einzigartigen Stadtbiotop, selbstverständlich im informellen Sektor. Der Strand ist aber auch Ausgangspunkt für eine filmische Expedition in die Stadt am Vesuv und in die persönliche Lebens-gestaltung einiger ihrer BewohnerInnen. Eine Hommage an das Leben, die Liebe und die Kunst zu überleben.
Betty Bee, eine in Neapel bekannte Künstlerin und schillernde Persönlichkeit mit Tiefgang, verbrachte ihre Kindheit in einer für Neapel typischen, ebenerdigen Gassenwohnung, die „Bassi“ genannt wird. Ihr Vater wollte sie von der Außenwelt fernhalten, weil er eine Aversion gegen die gesamte Menschheit hatte. „Das hat mich in eine Konzeptmaschine verwandelt. In meiner ganzen Karriere tat ich nichts anderes als zu protestieren.“ Heute lebt sie zurückgezogen in einer Wohnung in der Nähe der „Piazza Mercato“, einem historischer Platz, wo Jugendliche in den Abendstunden mit ihren Motorrollern Wettrennen veranstalten.
Emanuele lebt seit 30 Jahren im Stadtteil „Sanità“, der von Armut, Gewalt, Arbeitslosigkeit und der Camorra geprägt ist. Er wird respektiert, da er geblieben ist, trotz aller Widrigkeiten. „Ich habe nie gegen das Gesetz handeln müssen. Das ist auch wichtig als positives Signal für die Bewohner und für die jungen Menschen, die in dir eine Möglichkeit sehen, es schaffen zu können.“ Er und seine Geschwister sind ins Krippengeschäft einstiegen und zählen mittlerweile zu den Stars in der Szene weltweit. Mit ihren Krippenfiguren haben sie schon so manchen Skandal ausgelöst, indem sie brisante politische, religiöse oder gesellschaftliche Zustände thematisierten.
Giancarlo hatte seit der Kindheit den Traum, Buchhändler zu werden. Da Lesen in Neapel immer noch eine beliebte Tätigkeit ist, eröffnete er auf der „Piazza del Gesù“ einen kleinen Buchladen. Seitdem kämpft er gegen das „Monster“ Amazon, das, so meint er, dazu beiträgt, Buchhandlungen auszuradieren. „Wir müssen dafür kämpfen, wir müssen unsere ganze Leidenschaft hineinstecken. Wir müssen all das geben, was Amazon nicht zu geben vermag: eine Tasse Kaffee, eine Unterhaltung, Freundschaft.“
Angelo, stadtbekannt als „´O Capitano“, verdient seinen Lebensunterhalt als „Pazzariello“, die Figur des Straßenkünstlers und Possenreißers aus dem 17. Jahrhundert. In einer Fantasieuniform und mit tänzelndem Schritt bewegt er sich durch die Straßen des „Centro Storico“ und zieht mit frivolen Späßen und deftigen Sprüchen die Aufmerksamkeit auf sich. Pina, seine Partnerin, betreibt eine Schokolademanufaktur mit angeschlossenem Theater. Auf einer Reise nach Österreich entdeckte sie die Mozartkugel. Nach ihrer Rückkehr begann sie, Pulcinella-Kugeln, Miesmuscheln, Pizza und den Vesuv aus Schokolade zu formen. „Mit Schokolade begann ich, von den schönen Seiten Neapels zu berichten.“ Gemeinsam wollen sie ihr, in Vergessenheit geratenes, Viertel aufwerten.
„Frühling in Neapel“ ist ein liebevolles und ehrliches Portrait einer Stadt, die weit besser ist als ihr Ruf. Abseits von Müll, Arbeitslosigkeit und Kriminalität, die das Image von Neapel prägen, birgt die Stadt einen wahren Schatz an Geschichte und Geschichten, gewürzt mit „Dolce Vita“, Musik und viel Humor.
Pressestimmen
Ö1/Julia Baschiera „Seit rund zwei Jahrzehnten zeichnet der österreichische Dokumentarfilmer Walter Größbauer gleichermaßen Stadt- wie auch Menschenportraits.“
ORF/Wohin in Wien „Ein ehrliches Stadtportrait. Filmtipp“
FALTER „Ein lebendiges, liebevolles Portrait von Neapel. Sehenswert“
AUGUSTIN/Reisch „Unprätentiöser Film über Neapel“
Mit Frühling in Neapel hat nun Walter Größbauerseine Jahreszeiten-Städte-Tetralogie abgeschlossen. Dieses dokumentarfilmische Werk ist wieder eine – im besten Sinne – typische Größbauer Arbeit geworden. Der Regisseur und Fotograf hat sowohl einenBlick für verborgene Winkel einer Stadt als auch ein Gespür für wunderbare Interviewpartner:innen, wobei der Neapel-Film weniger mit prächtigen Bildern und Einstellungen , wie in den beiden Filmen Winter in Havanna (2018) und Herbst in Bangkok (2019), sondern vielmehr mit seinen Protagonisten:innen punktet. Damit schließt sich auch der Kreis zu seinem Jahreszeitenauftaktfilm Sommer in Wien (2015).
Walter Größbauer interessiert sich für die Einheimischen am Strand genauso wie etwa für die Performancekünstlerin Betty Bee oder die Geschwister Scuotto: In Neapel sei die Satire mit einem hönischen und bitteren Lächeln verbunden, vernehmen wir aus der (Krippenfiguren-)Werkstatt des Scuotto-Clans. Apropos, in einem Viertel wie Sanità völlig angstfrei zu leben, ist noch undekbar, aber die erfreuliche Entwicklungen nehmen zu. Neapel ist auch eine Stadt des Zusammenhalts und der zivilen Initiativen, auch nötig wegen der hohen (Jugend-)Arbeitslosigkeit. Etwas hinwegztrösten kann die Feier- und Esskultur. Haben Sie schon mal einmal eine Pulcinellakugel, das neapolitanische Gegenstück zur Mozartkugel probiert?
KLEINE ZEITUNG/JS
Zum Finale seiner Tetralogie besucht Filmemacher Walter Größbauer Buchläden, Konzerte, Strandleben und die Menschen dazu in Neapel – und zwar abseits des Müll- und Mafiathemas. „Frühling in Neapel“ macht Lust auf Urlaub in Süditalien und der Tourismuswerbung schadet die Doku auch nicht.
Film Stills
Credits
| Buch und Regie | Walter Größbauer |
| ProduzentIn | Walter Größbauer, Claudia Pöchlauer |
| Regieassitentin | Doris Formisano |
| Aufnahmeleitung | Umberto Formisano |
| Kamera | Istvan Pajor, Walter Größbauer |
| Kamerasstistent | Andreas Größbauer |
| Ton | Istvan Pajor |
| Schnitt | Walter Größbauer |
| Soundtrack | Andrea Tartaglia, Paolo Cotrone |
| Musik Mix & Mastering | Paolo Cotrone |
| Transkription | Alessia Rinaldini |
| Übersetzung | Eva Walker, Vittorio Bianchi, Antonella Pavlik, Maria Atzara |
| Produktion und Verleih | FORTUNAMedia |
Kinoliste
| Termin | Festival | Status | Ort |
| Festival | |||
| 05.04.2021 | Amsterdam World Film | Nominiert | Amsterdam/NLD |
| 30.08.2020 | 33. Heimatfilm Festival | Nominiert | Freistadt/AUT |
| 08.06.2020 | 6. Gulf of Neaples | Nominiert | Neapel/ITA |
| Termin | Veranstaltung | Veranstaltungsort | Ort |
| Kinostart | Österreich | ||
| 22.03.2024 | Spezial Screening | Das Dorf | Wien |
| 10.10.2023 | Kinostart | Moviemento | Linz |
| 18.08.2023 | Kinostart | Freistadt Kino | Freistadt |
| 08.10.2023 | Kinostart | Programmkino | Wels |
| 02.08.2023 | Spezial Screening | De France Kino | Wien |
| 16.07.2023 | Kinostart | Cinema Paradiso | Baden bei Wien |
| 09.07.2023 | Kinostart | Cinema Paradiso | St. Pölten |
| 27.05.2023 | Kinostart | Das Kino | Salzburg |
| 23.05.2023 | Kinostart | Stadtkino Bruck | Bruck a.d. Muhr |
| 05.05.2023 | Kinostart | Programmkino | Wels |
| 29.04.2023 | Kinostart | Neues Volkskino | Klagenfurt |
| 14.04.2023 | Preview | De France Kino | 1010 Wien |
| 14.04.2023 | Kinostart | Rechbauer Kino | Graz |
| Kinostart | Deutschland | ||
| 26.05.2023 | Kinostart | Kinemathek | Karlsruhe |
| 08.06.2023 | Kinostart | Cineplex | Dettelbach |
| 13.05.2023 | Kinostart | Lichtspiel Kino | Bamberg |
| 09.05.2023 | Kinostart | Schafrichter Kino | Passau |
| 13.04.2023 | Kinostart | Apollo Kino | Achen |
Termine
| Datum | Was | Location | Ort | Anwesenheit |
| 09.05.2025/19:30 | Film&Gespräch | Schafrichterkino | Passau | Regisseur |
| 18.03.2025/19:00 | Film&Gespräch | Ärztekammer | Wien | Regisseur |
| 12.08.2023/20:00 | Film&Gespräch | Kino Freistadt | Freistadt | Regisseur |
| 24.05.2023/19:30 | Film&Gespräch | Programmkino | Wels | Regisseur |
| 25.0.5.2023/19:00 | Film&Gespräch | Schafrichterkino | Passau | Regisseur |
| 19.04.2025/19:00 | Film&Gespräch | Moviemento | Linz | Regisseur |





