DIE MÜLLKINDER VON MOKATTAM

Reportage, Ö, 2006, 20min, Farbe, Stereo
Regie: Claudia Pöchlauer

Nabil, Milad, Makari und Samuel. Sie sind Kinder wie überall auf der Welt. Sie lachen, sie singen und spielen, sie staunen und zeichnen. Und doch unterscheidet sich ihr Lebensraum deutlich von dem anderer Länder. Sie wachsen auf im Müll einer 20 Millionen Metropole. Der Abfall Kairos ist ihnen Fluch und Segen zugleich.

Die „Zebbaleen“, landlose, verarmte, koptische (urchristliche) Bauern aus dem Süden des Landes, zogen in den späten 40er Jahren des 20 Jahrhunderts nach Kairo auf der Suche nach dem Glück. Seither bestimmen Schmutz und Bakterien ihren Alltag. Sogar in ihren Wohnräumen, in kleinen Blechhütten oder unverputzten Ziegelhäusern, stapeln sich Müllberge. Hier arbeiten, essen und schlafen sie. Den Müll sammeln die Männer im Morgengrauen mit ihren Eselkarren in den wohlhabenderen Vierteln von Kairo. Barfuss sitzen dann vor allem Frauen und Mädchen im Abfall, fassen mit bloßen Händen in die fauligen Reste, die Kairos bessere Gesellschaft weggeworfen hat. Ihr Hauptinteresse gilt Plastik und Papier, Blech und Glas. Alles Verwertbare wird recycelt – auch der organische Müll. Er kommt in den hinteren Verschlag zu den Schweinen. Was sie mit dem Sortieren von Abfall verdienen, ist wenig. Es reicht gerade zum Überleben.

Trotz Elend und Sorgen kämpfen die Bewohner von Mokattam für den Erhalt ihrer illegalen Müllsiedlungen. Denn hier ist ihr Zuhause, hier haben sie zumindest Arbeit.

Wer weiß, wie lange noch. Denn mittlerweile sind multinationale Entsorgungsunternehmen  von der Regierung beauftragt, den Müll zu sammeln und der Wiederverwertung zuzuführen. Die armseligen Eselskarren und mit ihnen die bedauernswerten Müllmenschen sollen für immer vom Stadtbild verschwinden. Alternativen gibt es kaum, außer Aufklärung und ein funktionierendes Bildungssystem.

Die Umstände der Dreharbeiten waren schwierig. Offizielle Drehgenehmigung im Müllviertel gibt es nicht. Wir hatten nur die Erlaubnis, in der Schule und ihrer unmittelbaren Umgebung zu filmen. Trotzdem konnten wir sowohl Leid als auch Lebensfreude der Kinder von Mokattam in einem 30minütigen Film festhalten. Wir beobachteten eine Woche lang die Kinder beim Zeichenunterricht, beim Theaterspiel, an der Recycling-Maschine und in der Familie.

Credits
RegieClaudia Pöchlauer
ProduzentInClaudia Pöchlauer, Walter Größbauer
AufnahmeleitungAlfred Huber
KameraWalter Größbauer
SchnittWalter Größbauer
SprecherInNina Strehlein, Victor Couzyn
SoundtrackErich Pochendorfer